Wahlprogramm 2009
Wahlprogramm
4 Hochschulpolitik für Würzburg
Hochschulpolitik wird in Bayern gemacht. Der Wissenschaftsminister in der Staatsregierung ist für ihre Angelegenheiten zuständig. Aber Hochschulpolitik wird auch vor Ort gemacht. In den Gremien, Fluren und Seminarräumen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Dort sind wir! Dort wollen wir Politik machen. Was wir deswegen für die Uni Würzburg im speziellen fordern findet ihr hier.
Zum Lernen der deutschen Sprache sind deutsche Lehrveranstaltungen wichtig und Würzburg ist auch immernoch eine deutsche Uni. Dennoch sollte in Zukunft ein weitaus höherer Anteil der Lehrveranstaltungen in englischer Sprache angeboten werden. Dies hätte nicht nur zur Folge, dass für ausländische Studierende in vielen Fällen die Sprachbarriere beim Studium gesenkt würde, sondern auch den deutschsprachigen Studierenden Möglichkeiten eröffnen würde, ihre Englischkenntnisse zu verbessern und vor allem erste Einblicke in das jeweilige englische Fachvokabular zu gewinnen.
Das Angebot einzelner Seminare in englischer Sprache stellt keinen negativen Einschnitt in den Studienalltag deutscher Studierender dar, sondern eine Bereicherung.
Englisch ist aber selbstverständlich nicht die einzige Sprache, die sich lohnt an der Uni zu lernen. Auch vermehrte fremdsprachige Lehrveranstaltungen etwa in Spanisch oder Französisch begrüßen wir.
Ist die Sprache erst einmal gelernt, empfiehlt es sich, sie dem Praxistest im Ausland auszusetzen. Für die meisten der Studenten, die die Chance eines Erasmusaufenthalts im Ausland wahrnehmen können, handelt es sich um eine ungemein prägende Zeit, die sie nicht missen möchten. Das Erasmusprogramm der EU kann wenige Jahre nach seinem Inkrafttreten schon als voller Erfolg bezeichnet werden. Ein Erfolg auf dem man unbedingt aufbauen sollte.
Forderung 5: Das zuständige Personal für das Erasmusprogramm an den einzelnen Fakultäten ist personell, finanziell und strukturell besser auszustatten, damit ein Ausbau des Erasmusprogramms an der Uni Würzburg vonstatten gehen kann.
Um den Studenten der Uni Würzburg die ganze Bandbreite der EU von Portugal bis Schweden und von Irland bis Griechenland als Zielort ihrer Auslandssemester anbieten zu können, müssen wir mit mehr europäischen Unis in Kontakt treten. Konkret wünschen wir uns, dass jede Fakultät mit mindestens einer Hochschule aus jedem der EU-Staaten über einen Kooperationsvertrag verfügt. Je nach Bedarf (Nachfrage) sind für Länder wie Frankreich, Spanien, Vereinigtes Königreich oder auch Schweden deutlich mehr Kooperationspartnerschaften anzustreben.
4.1 Uni und Stadt
Würzburg ist nicht unbedingt der größte Industrie- oder Dienstleistungsstandort Bayerns. Die Universität ist für die Stadt einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Standortfaktor. Deswegen muss der Stadt daran gelegen sein, die Koordination und Kommunikation mit der Uni Würzburg besonderes intensiv zu gestalten. Der dafür einst eingerichtete Stadt-Uni-Koordinationsausschuss soll unter Mitarbeit von Studenten, Dozenten und den im Stadtrat vertretenen Parteien diese Aufgabe wahrnehmen.
Forderung 6: Wiederbelebung des Stadt-Uni-Koordinationsausschusses
4.2 Demokratie
An einer Universität gibt es die unterschiedlichsten Gruppen. Sie alle müssen zusammenarbeiten. Egal ob Professor, Assistent, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Verwaltungsangestellter, Hausmeister oder Student, egal ob Anfang 20 oder Anfang 60, an einer Uni arbeiten Menschen aus allen Alters- und Berufsgruppen beider Geschlechter zusammen. Das ist nicht immer ganz einfach. Generationen treffen aufeinander, Meinungen und Ideen befinden sich in ständiger Konkurrenz. Den Rahmen dafür bieten die Gremien der Uni-Verwaltung.
Im Senat – dem obersten Entscheidungsgremium der Universität – werden die Richtungsentscheidungen getroffen. Fachschaften und Fakultätsräte sind für die Angelegenheiten der einzelnen Fachbereiche zuständig. Studentischer Konvent und Sprecherrat arbeiten an der Gestaltung des studentischen Lebens in Würzburg und an der Hochschule. Das alles hat nach demokratischen Spielregeln zu funktionieren. Die Herausgehobene Stellung der Professoren hat Berücksichtigung zu finden, genauso wie die Menge der Studenten.
Forderung 7: Der Senat der Universität Würzburg und die Fakultätsgremien müssen sich zu einem Drittel aus Studenten, zu einem Drittel aus dem universitären Mittelbau und zu einem Drittel aus Professoren rekrutieren.
Fair ist das aktuelle System für die Studenten nicht. im 20-köpfigen Senat sitzt nur ein einziger Student. Dabei entscheidet und beschließt der Senat vieles, das für die Studenten unmittelbare Auswirkung hat und vieles wobei er auf die Erfahrung, die Meinung und die Wünsche der Studenten angewiesen ist. Schließlich ist eine Universität zuerst für ihre Studenten da. Daher schlagen wir eine paritätische Beteiligung am Forschungs- und Lehrbetrieb vor. Jeder, der für die Uni wichtig ist, der an ihr lehrt oder lernt braucht dieselben Mitspracherechte, so funktioniert Demokratie. Da die Hauptarbeitslast allerdings bei den Lehrenden liegt, schlagen wir darüber hinaus vor, dass ein Beschluss im Senat nicht gegen die Mehrheit der Professorenstimmen gefasst werden kann. Unserer Meinung nach ist das das für alle gerechteste System.
Ähnlich sieht es in den Fakultätsgremien aus, wo die meisten der Gelder aus Studienbeiträgen verteilt werden. Alles zusammengezählt haben die Studenten dort zwei Stimmen, die Mitarbeiter der Universität dagegen fünf (drei Professoren, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter, eine Frauenbeauftragte). Auch hier fordern wir eine paritätische Besetzung. Jede Gruppe hat ein Drittel der Stimmen, die Professoren eine Sperrminorität.
Gerechte Stimmenzuteilungen sind aber nicht das einzige, was zur Demokratie gehört. Transparenz und Öffentlichkeit sind genauso wichtig. Im Bundestag sind die Plenarsitzungen öffentlich, im Europaparlament sogar Ausschusssitzungen. Im Senat der Universität Würzburg dagegen herrscht strengste Geheimhaltung und auch der studentische Konvent muss die Öffentlichkeit jedes Mal wieder neu beschließen. Das ist unnötig und vor allem undemokratisch. Wie sollen die Studenten mitreden können, wenn sie nicht einmal zuhören dürfen?
Forderung 8: Die Sitzungen der universitären Gremien sind öffentlich. Auf eine entsprechende Änderung der Grundordnung ist hinzuwirken. Die Öffentlichkeit kann bei besonders brisanten Themen ausgeschlossen werden. Protokolle sind im Internet zu veröffentlichen.
4.3 Studienstruktur
Die Hochschulreform im Rahmen des Bolognaprozesses, die 2009 vor ihrem vorläufigen Abschluss steht, ist selbstverständlich auch für die Universität Würzburg von großer Bedeutung. Die Ziele des Bolognaprozesses teilen wir ausdrücklich. Die Steigerung von nationaler und vor allem internationaler Mobilität liegt uns als überzeugte Europäer am Herzen. Auch die Idee berufsqualifizierender Abschlüsse und die Internationalisierung der nationalen Hochschullandschaft betrachten wir als notwendige Instrumente auf dem Weg zu einem wirklich europäischen gemeinsamen Hochschulraum.
Auch einige der dafür umgesetzten Reformen begrüßen wir. ECTS-Punkte zum Beispiel leiden zwar nach wie vor unter Kinderkrankheiten, sind aber grundsätzlich das richtige Mittel, um eine äquivalente Anerkennung von Studienleistungen europaweit zu gewährleisten. Auch die Tatsache, dass die Selbständigkeit und Autonomie der Hochschulen durch die Möglichkeit, die Studiengänge selbstständig zu gestalten, gestiegen ist, ist für uns ein Schritt in die Richtung zu mehr Hochschulautonomie.
Genug des Lobes. Leider hat die Hochschulreform aber auch vieles schlimmer und nicht besser gemacht. Die Studienbelastung ist im Bachelorstudiengang deutlich gewachsen.
Die Belastung der Professoren ebenfalls. Möglichkeiten für Spezialisierung, die gerade für Geisteswissenschaftler wichtig sind, sind eher weniger als mehr geworden. Anerkennung von Scheinen und Mobilität ist eher schwieriger als leichter geworden. Die Modularisierung begrenzt die Möglichkeit selber zu denken, sich auszuprobieren und den richtigen Weg für sich zu finden.
Forderung 9: Restrukturierung der Bachelorstudiengänge unter den Gesichtspunkten: Flexibilität, Spezialisierung und Arbeitsbelastung.
Der Weg, den der Bolognaprozess eingeschlagen hat, sorgt heutzutage eher für Probleme als das er Antworten auf die Frage nach der Zukunft der europäischen Hochschullandschaft liefert. Die Richtung, in die der Bolognaprozess gestartet ist, ist deswegen aber noch nicht falsch. Im Gegenteil: Ein geeintes Europa braucht geeinte europäische Hochschulen.
4.4 Studienbedingungen
Gute Studienbedingungen sind zentral, um eine gute und fundierte Ausbildung zu gewährleisten. Das Studium soll kein Kampf gegen die Univerwaltung sein. Für die Uni ist es schlecht, wenn Studenten von maroden Gebäuden, unansehnlichen Sanitäranlagen oder schlechten Nahverkehrsanbindungen abgeschreckt werden. Zumindest letzteres wird durch den Bau einer Straßenbahnverbindung zum Hubland besser, aber das Semesterticket ist noch immer unzureichend.
Forderung 10: Einführung fakultativer Erweiterungs-Semestertickets für angrenzende Landkreise. Verbilligung des Semestertickets.
Seit man in Würzburger Bussen vorne einsteigen muss, hat die WVV gewaltige Zusatzeinnahmen durch wenige Schwarzfahrer. Die Studenten fahren nie schwarz – schließlich haben sie ein Semesterticket. Wieso man dann trotz inzwischen wieder gesunkener Benzinpreise ausgerechnet das Semesterticket verteuern muss, wie es Ende letzten Semester geschehen ist, verstehen wir nicht. Wir werden unseren Einfluss im Konvent geltend machen, um nach Möglichkeit wieder eine Verbilligung zu erreichen. Viele Studenten kommen täglich von außerhalb Würzburgs in die Stadt. Für sie wollen wir ein System fakultativer, also praktisch „zubuchbarer“ Semestertickets für angrenzende Landkreise. Langfristig sollten sich die Würzburger Verkehrsbetriebe dafür einsetzen, ihren Radius bis in die Metropolregionen Frankfurt und Nürnberg auszuweiten, um Studenten eine erhöhte Mobilität zu bieten, wie es bereits in vielen anderen Regionen und Bundesländern üblich ist.
Allein vom Nahverkehr hängen die Studienbedingungen in Würzburg aber natürlich nicht ab. Besonders am Herzen liegen uns die Öffnungszeiten der Bibliotheken. Insbesondere für besonders lernintensive Fächer ist es in der Phase der Prüfungsvorbereitung notwendig, praktisch in die Bibliotheken umzuziehen. Wenn diese dann Samstags früh schließen und Sonn- und Feiertags geschlossen sind, ist das für viele Studenten zwangsverordneter Urlaub, den sie eigentlich gar nicht haben wollen. Öffnungszeiten bis zum Nachmittag und verschlossene Türen an Samstagen und Sonntagen sind nicht gerade geeignet, um Studenten optimale Arbeitsbedingungen zu bieten.
Forderung 11: Ausweitung der Bibliotheksöffnungszeiten, 24 Stunden, 7 Tage die Woche.
Gerade für Studenten, die außerhalb Würzburgs wohnen, sind auch die Öffnungszeiten der Mensa wichtig. Dass diese an Samstagen und in den Semesterferien teilweise geschlossen sind, ist für sie ein großes Problem. Auch die Abendmensa bietet für viele Studenten die Möglichkeit, in den Abend hinein an der Uni zu arbeiten. Deswegen sollte auch ihr Angebot ausgeweitet werden.
Forderung 12: Ausweitung der Mensaöffnungszeiten.
Es gibt noch viele Bereiche, in denen die Uni zusehen muss, ihren Studenten möglichst gute Studienbedingungen zu bieten, damit sie ihr Studium schnell und effizient meistern können. Unter den Studenten gibt es zum Beispiel relativ viele alleinerziehende Eltern. Als Liberale wollen wir eine Gesellschaft, in der sich Kind und Job verbinden lassen. Für Kind und Studium gilt dasselbe. In Anbetracht des demographischen Wandels ist es wichtig, dass die Möglichkeit, Kinder zu kriegen und trotzdem nicht auf Karriere und Ausbildung verzichten zu müssen, gegeben sind.
Forderung 13: Ausweitung der universitären Betreuungseinrichtungen für Kinder.


